Die Geschichte von Paul dem Zweiten, oder: Wie ich ein Familiar bekommen habe

(Eine nette Urlaubsgeschichte)

Es war eines Tages in unserer Ferienwohnung in Lanzarote. Wir planschten gerade im Pool, da fiel uns plötzlich ein kleines Lebewesen am Beckenrand auf: Ein kleiner Gecko (ok, eigentlich war’s wohl eher eine Kanareneidechse… aber für uns war’s halt ein Gecko!) hatte sich dort ans Becken verirrt.

Tatsächlich w14203581_1158582077514470_1276273896_oar er nicht der erste seiner Art. Bereits am Abend zuvor hatten wir einen größeren Verwandten unseres kleinen Lieblings im Gebälk beim fangen von Insekten beobachtet. Nun hatten wir also Paul den Zweiten gefunden (Geckos heißen nämlich „Paul“), und beschlossen sofort ihn vorm Ertrinken im Pool zu retten.

Paul der Zweite entpuppte sich als überaus zutrauliches Kerlchen. Nachdem wir ihn behutsam vom Beckenrand aufgenommen hatten, machte er es sich erst mal auf meiner Hand gemütlich. Am Anfang war er noch etwas schüchtern — aber bald schon begab er sich auf Erkundungsreise über meine beiden Hände und Arme. Wir wurden sehr schnell gute Freunde!


14195943_1817702728441594_1591717296613047467_oIm Pool waren wir für diesen Nachmittag genug geschwommen — also beschlossen wir ein wenig Karten zu spielen. Und hier zeigte Paul seine wahre Stärke. Schnell wie der Wind schlüpfte er unter meine Haare und begann mich an den Haarwurzeln zu zupfen. Egal welche Karten ich bekam — mal kitzelte es links, mal kitzelte es rechts, und ich wusste immer genau was ich spielen musste.

Tatsächlich hatte ich eine einwandfreie Glückssträhne: Ich gewann jedes Spiel. Das erste, das zweite, das dritte… immer genau richtig gespielt. Doch wie so oft kam mit dem Hochmut der Fall — ich hörte auf, mich auf Paul zu verlassen, und wurde leichtsinnig. Ich konnte nicht glauben, dass so ein kleines Kerlchen besser als ich spielen würde. Und da begann ich zu verlieren. Erst ein Spiel, dann noch eins, dann das dritte. Zwar immer recht knapp, aber die Glückssträhne war vorbei. Mein Vorsprung schwand dahin und ich war drauf und dran alles wieder zu verlieren.

Doch kurz vor Schluss erinnerte ich mich wieder an mein kleines Helferlein. Ich begann wieder aufzupassen wo Paul mich zupfte — und Paul war nicht nachtragend. Die Glückssträhne war wieder da, und ich habe das Spiel doch noch gewonnen. Das heißt: Eigentlich hatte natürlich Paul das Spiel gewonnen.

14231823_1817702761774924_4329047045004101778_o Ich hatte meine Lektion gelernt, und mir war klar, dass so viel Glück zu viel für einen einzelnen Menschen ist. Also entließ ich Paul wieder in die Freiheit, damit er auch noch anderen Spielern helfen kann. Dort, in Lanzarote, schwirrt er jetzt wohl noch immer durch die Gärten und sucht aufmerksame Urlauber, die er an den Haarwurzeln zupfen kann.

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